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08.03.2002 - 13.04.2002, Karlsruhe
Korpys/Löffler
Am Abend des 10. Juni 1934 verschwanden zwei Tafeln des Genter Altars der Gebrüder Van Eyck aus der Sint Baafs - Kathedrale in Gent. Die Tafel "Johannes des Täufers" wurde nach einer Lösegeldforderung am Brüsseler Nordbahnhof deponiert. Die 149cm x 55cm große Eichenholztafel der "Gerechten Richter" blieb verschwunden. Das Bistum hatte sich geweigert die geforderten 1 Million Belgische Francs zu zahlen. 3 Monate später, am
25. November 1934 starb der Wechselhändler Arseen Goedertier. Auf dem Sterbebett enthüllte er seinem Anwalt De Vos, dass nur er weiß, wo sich die "Gerechten Richter" befinden. De Vos fand die Durchschriften der Erpresserbriefe und weitere Unterlagen in Goedertiers Büro und übergab sie dem Amtsgericht. Es wurde beschlossen, den Fall geheim zu halten. Bis heute bleibt unklar, welche Unterlagen De Vos dem Gericht übergab. Die Tafel der "Gerechten Richter" bleibt bis heute verschwunden und wird 1945 durch eine Kopie ersetzt. Aufgrund des Tathergangs und Anspielungen Goedertiers in den Erpresserbriefen, wird vermutet, daß die Tafel der "Gerechten Richter" nie die St. Baafs Kathedrale verlassen hat und dort bis heute versteckt ist. 1956 schildert Camus in der Novelle "Der Fall" detailiert das Motiv der Tat, eine Allegorie auf die Gerechtigkeit und ihre Richter.
Korpys/Löffler kombinieren in ihren Videofilmen, Fotografien, Publikationen und Installationen dokumentarische und fiktive Elemente. In der Ausstellung in unserer Galerie präsentieren Korpys/Löffler einen Teil ihrer Ästhetikrecherche über den Raub der Genter Altarbilder. Im Zusammenspiel verschiedener visueller Codes und Fragmente, verflechten sich Kriminalfall und politische Ereignisse mit subjektiven Erinnerungen der Künstler. Der Video-Film „Just Judges“ erkundet Indizien zum Tathergang sowie den Verbleib der „Gerechten Richter“. Drei großformatige Zeichnungen deuten eine potentielle Verwicklung von Albert Camus selbst an. Die Konzentration der analytischen Beobachtung liegt auf der Ästhetik von Macht, die ihren Ausdruck in den Strategien von Überwachung und Tarnung findet, sowie der Idee von Gerechtigkeit im allgemeinen. So verweisen Aluminiumarbeiten und das Video „When lands the saucer“ auf den Comicfigur „Silversurfer“, der als galaktischer Prophet über die Ignoranz der Menschen gegenüber den eigenen Möglichkeiten verzweifelt. Weiter lassen die narrativen Brüche innerhalb der Arbeiten die Auflösung eines klar definierten Begriffes von Gerechtigkeit erahnen, der letztendlich Mythos ist.
