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08.11.2002 - 21.12.2002, Karlsruhe

Daniel Roth

Schatzhauser Wald

 

Wir freuen uns sehr, mit der Ausstellung "Schatzhauserwald" von Daniel Roth unsere neuen Ausstellungsräume zu eröffnen und gleichzeitig das fünfjährige Bestehen der Galerie zu feiern.
Reale Orte und harmlose Gegenstände bilden zunächst die Anfangspunkte von Daniel Roths installativen Erzählungen. Allerdings sind sie nur ein Element innerhalb seines narrativen Geflechtes, das über Zeichnung, Fotografie und Skulptur komplexe Geschichten zwischen Fiktion und Wahrheit erzeugt. Hier erwecken mysteriöse Raumsituationen, gekennzeichnet durch die Verschachtelung architektonischer und organischer Fragmente, unweigerlich den Verdacht auf märchenhafte Abenteuer oder kriminalistische Handlungen.
Die Erzählung der Ausstellung "Schatzhauser Wald" in unserer Galerie integriert das
sogenannte "Glasmännchen", Wilhelm Hauffs Märchen "Das kalte Herz" entlehnt, als Protagonisten der Handlung. Während es im ursprünglichen Märchen drei Wünsche zu erfüllen hat, versucht es jetzt den Lageort des verschwundenen Schiffes ausfindig zu machen, dessen Geschichte bereits in
New York bei der Galerie Michele Maccarone ihren Anfangspunkt hatte. Über einen Eternit-Pult, stellt das Glasmännchen telepatischen Kontakt zu drei Pferdegehirnen im dänischen Skorbo her. Basierend auf den Ergebnissen des Pferderennens, enthüllen die Nummerkombinationen eines Wettzettels den
Verbleib des Schiffes in Polen. Die Reise verläuft nun von Skorbo über Warschau bishin zu einer labyrinthisch verzweigten Fluss- und Moorlandschaft an der Ostgrenze Polens.
Dort befindet sich ein Haus, dessen Öffnungen mit Betonwänden versiegelt sind. Die Suche nimmt in den dunklen Innenräumen ihren Fortgang. Infrarot-Fotografien halten Hinweise fest und kartografische Zeichnungen dokumentieren den Weg. Schließlich stößt man auf das Architekturmodell eines fiktiven Neubaus der größten polnischen Lebensversicherung PZU. Die Spur führt in dessen Inneres, wo Steinmauerkonstruktionen die Räume in vier Ebenen teilen. Über einen Aufzug gelangt man auf die letzte Ebene, wo der Blick von einer mit Fetzen pornografischer Bilder bestückten Wand gefangen wird. Nach genauerer Beobachtung sind neue Indizien zu entdecken: Unterwasseraufnahmen des verschwundenen Schiffes. Als das letzte Erzählmoment in der Ausstellung lassen sie das Ende der Geschichte vermuten, jedoch ermöglicht eine aus feinen Baumholzstöckchen konstruierte Maske das imaginäre Eintauchen in die nächste Wirklichkeitsebene, wobei diesmal unsere subjektive Vorstellungswelt die Handlung fortsetzt.
(IK)

 

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Installation View Meyer Riegger


Installation View Meyer Riegger