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13.05.2006 - 10.06.2006, Karlsruhe
The Well
Wir freuen uns Daniel Roth mit seiner dritten Einzelausstellung in unserer Galerie zu präsentieren. Seine Arbeiten waren zuletzt in der South London Gallery, im Dallas Museum of Art und im Western Bridge Museum in Seattle zu sehen.
Roths Formkomplex aus Installation, Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen erzählt moderne Märchen und Mythen deren Anfänge zumeist an einem natürlichen oder städtischen Ort liegen. Im Zusammenspiel mit diesem realen Raum entwickelt Roth seine narrativen Phantasiewelten, geheime Orte und Geflechte aus über- und unterirdischen Welten. Dabei entstehen Zwischenräume und lückenhafte Erzählstränge in denen das Unvorhersehbare und Imaginäre lebt.
Der geografische Ausgangspunkt von „The Well“ liegt in der Hauptstadt Großbritanniens. Die Stadtlandschaft Londons verdeckt den Blick auf Wasserquellen und kleine Flüsse, die die Themse umsäumen. Gewässer wurden durch das Wachstum der Stadt überbaut oder gänzlich trocken gelegt. Im Untergrund der Metropole bleibt heute ein Netz vergessener Verbindungen zurück, das einem unübersichtlichen Labyrinth gleicht.
Im Zentrum der Installation steht ein bunkerähnlicher Monolith aus dessen Wänden Rohre hervortreten und wieder in Boden und Wänden des Raumes verschwinden. Aus einer Quelle im Inneren des Bunkers tritt eine dunkle Flüssigkeit heraus und scheint sich durch das Leitungsnetz städtischer Architektur zu verteilen, deren Wände die Flüssigkeit absorbieren. Durch die Reaktion der Wand mit der Flüssigkeit treten verborgene Bilder und Informationen in Form einer Wandzeichnung hervor; ähnlich wie einer allergischen Reaktion auf der Haut eines Menschen, dessen Körper nicht mit Rohren aber einem feinen Netz aus Adern und Kapillaren durchzogen ist. Die Wand wird Träger des von Innen nach Außen gekehrten und öffnet mit der Zeichnung eine Tür zu neuen, imaginären Szenarien.
Der Vorstellungsraum als Organismus oder Körper wird gleichsam durch eine menschliche Haut in einer Vitrine hervorgerufen, die mit dem Ende eines Rohres verbunden ist. Eine unsichtbare Reaktion der mysteriösen Flüssigkeit bedingt vielleicht die roten Spuren auf der Haut. Spuren, Abdrücke und Verbindungen lassen eine Landkarte psychischer Landschaften entstehen, die dennoch immer wieder aus dem Verborgenen an die Oberfläche treten.
Der Mangel einer klaren Beziehung zwischen dem physischen Raum und der Weise wie unser Kopf arbeitet untermauert viele Projekte Roths. Er erfindet Beweise für versteckte Tunnel, geheime Kammern und unterirdische Wälder. In „Talstadt“ (1998-2005) ist ein Tal mit Beton ausgegossen und lässt unterirdische Gänge und Architekturen entstehen. „Palace“ (2005) erzählt von der Geisterstadt Dallas, die unter einer dicken Eisschicht einfriert. Roths faszinierende und verzaubernde Installationen zeigen eine moderne Märchenwelt, die mit jedem sorgfältig entwickeltem Element auf die Existenzen hinter dem alltäglichen Leben und unerreichbare Erfahrungen zielt.
