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01.05.2010 - 05.06.2010, Berlin

Korpys/Löffler

Strahlungen

 

Wir freuen uns, mit „Strahlungen“ die vierte Einzelausstellung des Künstlerduos Korpys/Löffler in unserer Galerie – und hier nun erstmals auch in unseren Berliner Galerieräumen – präsentieren zu dürfen. Andree Korpys und Markus Löffler untersuchen in ihrer künstlerischen Arbeit Strukturen und Orte der Macht. Das politische Geschehen an halböffentlichen, zumeist abgeschirmten Raumgefügen ist hierbei Ausgangsmaterial ihrer Filme, Fotografien und Zeichnungen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Strahlungen“ steht der Film „Atom“, der auf eine ausklappbare, alte Leinwand projiziert wird. Schauplatz des zwischen Dokumentation und Inszenierung changierenden Filmes ist der wendländische Wald, ein Landstreifen in unmittelbarer Nähe des Atommüllagers Gorleben, der während der regelmäßig stattfindenden Castor-Transporte traditionell von Umwelt-Aktivisten bezogen wird. Im Winter des Jahres 2008 bildete der Wald so erneut für einen Zeitraum von drei Tagen und drei Nächten einen temporären Lebensraum, in dem sich gleichsam Aktivisten und Polizeieinsatztruppen einfanden. Die Protestaktionen der Atom-Gegner, der Eingriff der Polizeitruppen – den Protesten entgegen wirkend –, Ausschnitte aus dem Schacht des Endlagerbergwerkes, sowie der Ort der Ereignisse selbst formen hierbei den Bild-Gegendstand des Filmes. Die zum Teil von Überblendung und Schatten gekennzeichneten Lichtverhältnisse, als auch die von der Statik und Vertikalität der Bäume geprägten, grafisch anmutenden Bildausschnitte, lassen den Schauplatz dieses fragmenthaft skizzierten Transitraumes nahezu als Kulisse eines Schauspiels erscheinen. Den dem realen Geschehen entnommenen Bildern haben die Künstler Korpys/Löffler hierbei solche Sequenzen entgegen gestellt, in denen sie selbst als Akteure den Handlungsverlauf durch Sprache und Gestik durchbrechen, und auf subtil-groteske Weise kommentieren. Ausgewählte, repetitiv vorgetragene Zitate aus dem 1975 von Fritjof Capra verfassten Buch „Das Tao der Physik“ bilden hierbei eine Referenz zum Bildsujet des Filmes: Den Zusammenhang, den der Physiker, Systemtheoretiker und Philosoph Capra zwischen den Grundbegriffen der modernen Teilchenphysik und fernöstlich philosophischen Traditionen untersucht, greifen Kopys/Löffler so in Form eines monologartigen Gespräches auf, das sie – in Polizeiuniformen gekleidet und damit visuell dem Bildgefüge eingegliedert – als in sich zirkulierende Reflexion nahezu tragisch-komisch veräußerlichen, und dem desolaten Zustand des Geschehens eine narrative Poetik entgegen setzen.

In Korrespondenz zu den Filmbildern stehen drei großformatige Cyanotypien, die am Schauplatz des Filmes entstanden sind. Die Cyanotypie – ein frühes, fotografisches Edeldruckverfahren – zeichnet sich durch cyanblaue Farbtöne des Bildes aus, wobei die Belichtung des Papiers in traditioneller Weise mittels der Bestrahlung von Sonnenlicht erfolgt. Die von Korpys/Löffler derart angefertigten Fotogramme lassen verschwommene, grafisch anmutende Umrisslinien von Objekten und Raumgefügen sichtbar werden – die letztlich als verblasste Erinnerung auf das poetisch-reflexiv dokumentierte Geschehen referieren.

Im zweiten Ausstellungsraum zeigen wir die 1997 entstandenen Arbeiten „United Nations, World Trade Center, Pentagon“, eine dreiteilige Film-Serie, die sich mit der Untersuchung von politischen Machtzentren in Amerika beschäftigt. Die Künstler haben hierbei drei symbolhafte Gebäude ausgewählt – das Pentagon in Washington, das World Trade Center, als auch das UNO Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York City – und deren Architektur sowie das Geschehen und die Atmosphäre in und außerhalb des jeweiligen Gebäudes mit einer Super-8-Kamera filmisch dokumentiert. Die Filme „Pentagon“, „World Trade Center“ und „United Nations“ – die sich zwischen filmischer Bildrecherche, Amateur- und Dokumentarfilm bewegen – werden in unserer Ausstellung im Wechsel auf einem Monitor präsentiert. Umgeben sind die Filmbilder von Fotosequenzen, welche an den jeweiligen Schauplätzen der drei Drehorte entstanden sind – und so gleichsam in Korrespondenz zu den Filmen, wie auch als erweiterte Perspektive des filmisch eingefangenen Blicks erscheinen.

Christina Irrgang

 

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Korpys/Löffler
Installation view


Korpys/Löffler
Installation view
"Strahlungen", 2010, Berlin